Erste Laboristen im neuen Denklabor

Keimzelle der Bewegung

Für das Denklabor wird ein Forschungszuschuss für sechs Monate an Menschen aus dem Kreis der bisherigen Neulandgewinner vergeben. 2017 sind dies Heike Brückner, Frank Jansky und Karsten Wittke (siehe unten). Die Denklaboristen bilden zu „ihrem“ Thema Teams mit anderen Neulandgewinnern und Beratern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Das Ziel: Erfahrungen der Neulandgewinner bündeln, sichtbar machen und in systematische Lösungswege überführen. Um sich auszutauschen, kommen die drei Denklaboristen immer wieder zur Diskussion und Abstimmung zusammen. Die Zwischen- und Endergebnisse werden in Workshops mit weiteren Experten und Akteuren diskutiert, die Endergebnisse schließlich in Handbüchern zusammengefasst und allen zur Verfügung gestellt.


Die Denklabor-Inhalte sind gesellschaftlich relevante Themen aus dem Kontext des Neulandgewinner-Programms, spielen also im Kosmos von mehr Lebensqualität im ländlichen Raum, und setzen sich auseinander mit Rolle und Organisation der ländlichen Zivilgesellschaft.

Zum Beispiel:

  • Finanzielle Nachhaltigkeit von Neulandgewinner Projekte: Zwischen Ehrenamt und Erwerbstätigkeit
  • Die räumlichen und sozialen Wirkungen von Neulandgewinnern in und mit ihren Gemeinden
  • Partizipative Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum
  • Organisationsformen für zivilgesellschaftliches Handeln auf dem ostdeutschen Land


Grundsätzlich besteht aber natürlich auch die Möglichkeit, eigene Themen vorzuschlagen.

Im Herbst 2017 werden wir gemeinsam mit allen Neulandgewinnern im Rahmen des Forums über die Ergebnisse diskutieren und sie der Öffentlichkeit vorstellen. Dabei entscheiden wir auch, wie das Denklabor fortgeführt werden kann. Unsere Hoffnung ist, dass das neue Denklabor die Keimzelle der angestrebten Neulandgewinner-Bewegung wird. Wir fangen dann einfach mal an.


Karsten Wittke wird es nicht langweilig. Der Neulandgewinner (Baruther Bank) ist aktiv im Baruther Institut zur Entwicklung des ländlichen Kulturraums, Projektleiter eines BMZ-Projekts zwischen Baruth und Murun in der Mongolei, Winzer, Künstler – und seit 2015 Stadtverordneter. Seine Erfahrung im Parlament will er nun nutzen zur „Erarbeitung eines Neulandgewinner-Leitfadens mit Praxisempfehlungen für die kommunale Politik in ländlichen Regionen“, so der Titel seines Themas.

Der Leitfaden soll verständlich und nachvollziehbar die unterschiedlichen Positionen und Zielsetzungen der Projektaktivitäten darstellen“, sagt Wittke. Im Kern geht es den Politikern stets um zwei Grundfragen: Was bewirkt das Projekt? Wie wirkt das Projekt? Wittke: „Diese Fragen gebe ich an die Neulandgewinner so weiter – mit dem Ziel, das Konzept der Neulandgewinner langfristig und nachhaltig in kommunalen Entscheidungsprozessen verankern zu können.“

Mithilfe von sechs Neulandgewinner-Projekten will er Fragen beackern wie: Was möchte die Zielgruppe vom Projekt wissen? Wie erklärt man offene Prozesse? Wie trifft man den Ton eines Stadtparlamentes? Auf dem Programm stehen der Besuch von Stadtparlamenten und Stadtratssitzungen, persönliche Gespräche mit Bürgermeistern, Ortsvorstehern und Bürgern, „um auf der Basis der Diskussionen den Leitfaden zu prüfen und weiterzuentwickeln“. Denn sonst könnte es ja langweilig werden.

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Bei Frank Jansky (WIR-Währung) dreht es sich ums Überleben – von Projekten: „Einkommen, Einnahmen, komplementäre Finanzierungen für Neulandgewinner“ heißt sein Thema. Das Problem: Läuft die Finanzierung eines Neulandgewinner-Projekts aus, droht oft das Aus. „Damit ist es von grundlegender Wichtigkeit, Einnahmen für das Projekt zu realisieren, um das Einkommen für die Akteure zu zahlen“, sagt der Rechtsanwalt. Nur wie kann das gehen? Dazu will Frank Jansky 20 Projekte und ihre Anschlussfinanzierungen untersuchen, aber auch Finanzierungsinstrumente jenseits des Programms. „Im Ergebnis soll es eine Übersicht geben, in der die verschiedenen Finanzierungsinstrumente vorgestellt werden“, so Jansky. Konkret heißt das: die Darstellung von Best-Practice-Beispielen mit Checklisten und Ablaufplänen – damit bürgerschaftliche Projekte auch jenseits von Förderungen ein langes Leben haben.

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Das Thema von Heike Brückner (Quartiershof Dessau) liest sich so: „Vom Partizipateur zum Akteur. Postfossile Raumgestaltung – für eine Planungskultur der Interaktion und des Austauschs.“ Heike Brückner will mit einer besseren Beteiligung an Planungen helfen, dass Projekte im ländlichen Raum mehr Neuland gewinnen können. Und da trifft es sich gut, dass sie selbst professionelle Landschaftsplanerin ist und Erfahrungen als Planerin und als Neulandgewinnerin, also aus beiden Perspektiven gemacht hat. Ihre zentralen Fragen: „Wie kann eine prozessgestaltende Planung, eine einladende Planung, eine Neulandgewinner-Bewegung unterstützen? Wie gelingt es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Ideen von Leuten auch etwas werden können – und zwar für Akteure auf allen Ebenen, ,unten’ wie ,oben’, im Kleinen wie im Großen?“

Keine leichte Aufgabe. „Dazu werden wir mit den Neulandgewinnern über ihre Erfahrung mit Planung sprechen, aber auch mit relevanten Experten“, sagt sie. „Mein Ziel ist es, daraus Ableitungen zu treffen für eine veränderte Planungskultur mit all ihren Gesetzen und Regeln, aber auch mit ihrer Förder- und Programmkultur.“ Im Ergebnis sollen dann Steuerungsmöglichkeiten der räumlichen Planung herausgearbeitet werden, die auf Anstiftung, Einbindung, Unterstützung von vielen Akteuren abzielen.

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