Zukunft erfinden vor Ort

Eigenverantwortliches Handeln und bürgerschaftliches Engagement werden zu wichtigen Faktoren für die Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität von Kommunen und Regionen besonders im ländlichen Raum. Wo Wandel ist, entstehen neue Freiräume, die Menschen mit Kreativität und Umsetzungswillen füllen können. Es braucht Bürgerinnen und Bürger, die die Chancen auf Veränderung sehen, die Ideen entwickeln und umsetzen, die neue Wege ausprobieren und vielleicht auch Vorbild für andere werden wollen.


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Abschlussdiskussion

 

Nach der Eröffnung der Ausstellung mit einem Vortrag von Kenneth Anders, den neun Pecha-Kucha-Präsentationen und der Arbeit in den 22 Themenräumen, kamen alle Teilnehmenden der „Konferenz der Akteure“ zu einer abschließenden Diskussion im Atrium der Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung in Berlin zusammen. Die Fragen, die die Teilnehmenden bewegten, waren so vielfältig wie sie selbst: Welchen Unterstützungsbedarf gibt es für das Engagement im und für den ländlichen Raum? Welche Bedarfe und Fallstricke liegen bei der Vernetzung der Aktiven vor? Was bedeutet gutes Leben auf dem Land? Wie kann man mit Bedrohungen umgehen, denen Neulandgewinnerinnen und Neulandgewinner sowie alle anderen ländlich Engagierten durch rechtspopulistische und rechtsextreme Angriffe ausgesetzt sind?

Julia Paaß, Neulandgewinnerin der 4. Runde aus Prädikow in Brandenburg, stieß dabei eine Debatte um Experimentierräume und Experimentierklauseln an, die den Einstieg in gesellschaftliches Engagement im Alltag wesentlich erleichtern könnten. Dort, wo die lokale Verwaltung über Jahre untätig geblieben sei - so die anschließende Diskussion - sollte sie sich mindestens ebenso lange mit starren Verordnungen und rigiden Vorgaben zurückhalten, um die Keimzellen des Neuen wachsen zu lassen. Barbara Klembt, Bürgermeisterin a.D. und ehemalige Jurorin des Programms, ging noch einen Schritt weiter, indem sie forderte, dass die Haftungsregelungen für Vereine und Initiativen, welche sich für gesellschaftliche Veränderungsprozesse einsetzen, nicht auf diese abgewälzt werden dürften.

Doch neben den Räumen für Engagement brauchen die Leute vor Ort noch wesentlich mehr als finanzielle Unterstützung und Anleitungen zu ihrer Professionalisierung. Dieses „Bauen an der Zukunft unserer Gesellschaft“, so Babette Scurrell vom Verein Neuland gewinnen e.V., „geht eben über das unentgeltliche Engagement in einem Sportverein oder für den Bastelnachmittag hinaus“. „Wenn wir nicht verhungern sollen“, so Barbara Wetzel vom Allerhand-Verein, der ein offenes Haus für Begegnung in Qualitz bei Güstrow etabliert hat, „muss ein Teil dieser Arbeit ähnlich wie Sozial- oder Jugendarbeit wie Erwerbsarbeit entlohnt werden“.

Ein Bürgermeister aus Bayern betonte in seinem Statement wie wichtig professionelle, landesweite, am besten bundesweite Unterstützung der Vereine und Initiativen ist: „Wenn es uns beispielsweise gelingt ein erfolgreiches Programm aus Baden-Württemberg auch in Bayern zu implementieren, dann kann so etwas wie eine Welle ins laufen kommen.“

Die Botschaft, die von dieser Konferenz der Akteure ausgesendet werden soll, lautet daher: Einerseits die kleinen Projekte stützen, die vor Ort Teilhabe ermöglichen und deren Erfolge bei den anstehenden gesellschaftlichen Veränderungsprozessen sichtbar werden lassen und weitertragen. Andererseits soll zugleich die Zukunftsvision des guten Lebens auf dem Land nicht aus dem Auge verloren werden, damit Konferenzen wie diese, wie es Tobias Burdukat vom „Dorfer der Jugend“ aus Grimma in Sachsen ausdrückte, zukünftig viel weniger dringend wären.