Gründe zu bleiben

Förderrunde 3: 2017–2019 

Im Oktober 2015 kamen die Flüchtlinge nach Bischofferode. 50 Menschen, die das thüringische Dorf nachhaltig verändern sollten. „Innerhalb kürzester Zeit formierte sich auf Zuruf des Pfarrers eine Gruppe freiwilliger Helfer“, erinnert sich Linda Windolph. „Und alle waren total fokussiert: Was wird gebraucht? Was können wir tun?“ Beim Kleidersammeln und Bettenbauen kamen Menschen miteinander ins Gespräch, die sich vorher nicht kannten. Am freitäglichen Kuchenbacken und Kaffeetrinken nahmen nicht nur Flüchtlinge teil. „Auch alte Leute machten mit“, sagt Windolph. Die Ankunft der Flüchtlinge hatte bei den Sudetendeutschen Erinnerungen daran geweckt, wie sie selbst als Fremde ins Dorf gekommen waren. „Es begann zwar mit den Flüchtlingen, wurde aber zu einer Bewegung, die das ganze Dorf erfasste“, sagt Windolph. Um die Gespräche nicht abreißen zu lassen, sucht die Initiative Runder Tisch nun nach Räumlichkeiten. Alteingesessene und Neuankömmlinge sollen dort gemeinsam kochen, handarbeiten, sich austauschen, zusammen Veranstaltungen planen. „Wir möchten einen Ort schaffen, an dem alle willkommen sind: Tanten und Onkel, Fußballer und Kaninchenzüchter, Kranke und Vergessene.“ Windolph erzählt mit Begeisterung vom gemeinschaftlichen Engagement und schmiedet weitere Pläne. 

Leider konnte Linda Windolph ihre Krankheit nicht besiegen und ist im Juli 2017 verstorben. Ohne ihre Neulandgewinnerin Linda Windolph, so hat sich der Runde Tisch in Bischofferode entschieden, wird das Projekt im Rahmen des Programms der Robert Bosch Stiftung nicht weitergeführt.