Neue Kunst in alter Platte

Förderrunde 4: 2019–2021

Das altenglische Wort „Libken“ steht für Häuschen. Wer vor dem Areal des gleichnamigen Vereins in Böckenberg in der Uckermark steht, dem wird schnell klar, dass das eine riesige Untertreibung ist: ein Hektar Fläche, ein viergeschossiger Wohnblock von 1964, Garagen, Hütten und Gartenflächen. Seit Ende 2014 setzt sich der Libken e.V. rund um die drei Initiatoren Theresa Pommerenke, Christoph Bartsch und Larissa Rosa Lackner in diesem winzigen Ort südlich von Prenzlau mit seinen rund 80 Einwohnern dafür ein, aus dem abbruchreifen Haus einen Ort für Kunstproduktion, Diskurs und Gemeinsinn zu machen.

Heute begrüßt der Libken e.V. Künstler, Theatergruppen, Regisseure, Autoren und weitere Kreative an diesem „Denk- und Produktionsort“. Und es kommen immer mehr, sogar aus dem Ausland. Es gibt Ausstellungen, Workshops, Symposien, Konzerte, Filmvorführungen, Feste und vieles mehr. Sogar Stipendien werden vergeben: eines für den Bereich Kunst und Umwelt, das andere in Kulinarik. „Wir sind keine sich selbst genügende Künstlerblase, sondern an vielfältigen Synergien mit unserem lokalen Umfeld interessiert“, sagt Pommerenke. „Unsere Formate bauen gewissermaßen darauf auf, nehmen Bezug auf das, was schon da ist und uns umgibt.“ Die studierte Kulturarbeiterin und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter leben inzwischen dauerhaft in der ehemaligen Landarbeiterunterkunft aus LPG-Zeiten und widmen sich fast in Vollzeit dem Projekt.

Denn schließlich gibt es noch eine Menge zu tun. Um die Akzeptanz im Umfeld weiter zu erhöhen, haben die Macherinnen und Macher schon immer die Türen für die Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Gemeinden offengehalten: Kaffeekränzchen, gemeinsames Essen, direkte Ansprachen. Jetzt will der Verein eine Bibliothek mit Dorf-Archiv aufbauen, ein Raum für die Geschichten der Platte und des Orts, dessen Inventar beständig durch Künstler und Anwohner wächst. Außerdem arbeiten sie an der Gestaltung von Treffpunkten außerhalb der Platte. Gefördert wird der Verein durch Bundes-, Landkreis- und Stiftungsgeld. Pommerenke: „Am Anfang gab es nur die eigenen Ideen, Arbeitskraft, kaum Geld. Dadurch wurde aber eine Dynamik geboren, die Libken auch heute noch ausmacht und die wir uns bewahren möchten.“
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