osten kultur Mecklenburg-Vorpommern 2019

Zukunftsräume schaffen

Förderrunde 4: 2019–2021

Beginnen wir auf dem Acker. Hier in Rothenklempenow, ein winziger Ort im äußersten Nordosten Vorpommerns, kurz vor der polnischen Grenze, tut sich seit wenigen Jahren Erstaunliches. Die Höfegemeinschaft Pommern (HGP), ein Zusammenschluss von drei Bio-Bauernhöfen, schiebt den ökologischen Anbau in der Region mit viel Dampf an. Und das zentrale Element, um das sich alles dreht, ist eben der Acker. Genauer: der Weltacker.

„Das sind 2000 Quadratmeter, die jedem von uns auf der Welt rein rechnerisch zur Produktion seiner Nahrungsmittel zur Verfügung stehen“, sagt HGP-Geschäftsführer Tobias Keye. Auf dem realen Acker in Rothenklempenow kann sich jeder zum Beispiel ansehen, wieviel Fläche auf der Welt für den Anbau welcher Lebensmittel benötigt werden. „Wir wollen damit Bewusstsein schaffen“, sagt Keye. Denn für ihn ist klar: „Die Landwirtschaft der Zukunft muss wieder regional und biologisch sein.“

Und damit die Transformation ein wenig schneller gelingt, hat sich der ehemalige Schauspieler aus Düsseldorf und heutige leidenschaftliche Changemaker etwas Neues ausgedacht: residenZ – Zeit für Zukunft. Über ein gutes Jahr sollen drei Stipendiatinnen und Stipendiaten nach dem Vorbild von Künstler-Residenzen die Möglichkeit bekommen, die Ernährung bis hin zur Landwirtschaft von Morgen neu zu denken und zu erproben – interdisziplinär, kreativ, forschend. „Wir bieten ihnen Kost und Logis, Zugang zu Expertinnen und Experten, Wissen und die nötige Infrastruktur wie unsere Böden, Weiden, Lager und Küche“, sagt Keye. Das ist ein Novum. Denn: „Bisher gibt es keinen Ort, an dem Natur- und Denkräume zusammenfließen, um unsere Nahrungsmittelproduktion noch einmal neu auszurichten.“ Es wird also höchste Zeit.