Zeit in der Kleinstadt

Dokumentation zum OPEN Neuland „Kleine Städte – Große Bühne“ 
16. November 2019


In der Rahnestraße liegt die alte Stadtbibliothek von Zeitz, es ist die Straße mit dem größten Leerstand. Auch die alte Stadtbibliothek stand 25 Jahre lang leer. Am 16. November 2019 fand hier das OPEN Neuland: Kleine Städte – große Bühne statt, zu dem die Robert Bosch Stiftung gemeinsam mit dem Thünen-Institut für Regionalentwicklung eG in Kooperation mit der Deutschen Vernetzungsstelle für Ländliche Räume (dvs) und dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) eingeladen hatte. Ab 11 Uhr standen in der Rahnestraße 20 an diesem Tag die Türen offen. Die Teilnehmenden fanden durch eine alte Schwingtür in den hellen Hauptraum, mit hohen Decken, altem Parkettboden und imposanten Bogenfenstern. Ein spätes Frühstücksbuffet mit selbstgemachten Käsedips und Marmeladen, frisch gebackenem Kuchen und Brötchen setzte gleich den einladenden Ton der Veranstaltung. Einen Raum weiter ging es in die „Alte Phonothek“: Dort entsteht ein Ladenlokal als Anlaufpunkt für Bürgerinnen und Bürger der Stadt und für all jene, die es werden wollen. Von der Wand der Phonothek fragen dicht nebeneinander beklebte Plakate: „Ist es Zeit zu weinen, trauern, bedauern oder ist es an der Zeit zu lachen, sich zu trauen, etwas zu wagen und Neues zu errichten?“ Die Antwort ist klar. Es könnte kein besseres Motto für diesen Tag geben. Über 100 Teilnehmende tauschten sich in drei Zeitslots mit insgesamt 27 Sessions über die Potenziale von Kleinstädten aus. Es ging ums Improvisieren, Selbermachen, Räume nutzen – zuversichtlich sein. Die alte Bibliothek in Zeitz war dafür der sinnstiftende Rahmen.

Vorbei mit demografischen Katastrophismus

Während viele Medien noch ein anderes Bild von der Kleinstadt im Allgemeinen und von Zeitz im Speziellen zeichnen, konnten die Teilnehmenden durch die Begrüßungsreden und allein durch einen Blick auf das üppige Veranstaltungsprogramm das Gefühl entwickeln, gerade Teil einer Neuschreibung des Narrativs vom „demografischen Katastrophismus“ (Andreas Willisch, Thünen-Institut) zu sein. Die Zeitzer Bürgermeisterin, Kathrin Weber, freute sich entsprechend über die große Bühne für die kleinen Städte. Diese hätten sie nämlich mehr als verdient. Nur seien sie oft nicht mutig genug, nach vorne zu treten. „Jeder macht es anders und alle kommen zu einem guten Ergebnis“, so Kathrin Weber, wichtig sei „gemeinsam zu reden und zusammenzustehen.“ Senior Projektmanagerin Sylvia Hirsch von der Robert Bosch Stiftung betonte im Anschluss zwar die Herausforderungen, denen sich Kleinstädte vor allem im ländlichen Raum stellen müssten: Landflucht, Demografischer Wandel, Leerstand und geringe Wirtschaftskraft. Das sei aber kein Grund, den Kleinstädten den Rücken zu kehren, sondern genau hinzuschauen, was für spannende Impulse aus der Zivilgesellschaft wieder gesetzt würden. Genau solche Impulse setzt Thomas Haberkorn von Kloster Posa e.V., der als Gastgeber die Begrüßungsrunde komplett machte. Seine optimistische Sicht auf das Potenzial von Kleinstädten wie seine Heimatstadt Zeitz begleiteten seinen sympathischen Auftritt: „Gebt die Kunde raus, dass Zeitz lebt. Hier können wir tun und machen. Hier bewegt sich einiges. Hier ist alles möglich.“ Damit sich etwas bewegt, gehört viel dazu: Mut, engagierte Macherinnen und Macher und auch mal Improvisationstalent. Letzteres bewies auch Andreas Willisch vom Thünen Institut, der kurzfristig für den erkrankten Impulsredner Dirk Neubauer, Bürgermeister von Augustusburg, eingesprungen war. Auch er lenkte den Blick auf die zunehmende Diskrepanz zwischen den realen Entwicklungen und den nach wie vor typischen Erzählungen über ostdeutsche Städte. Die meisten betonten seiner Meinung nach zu sehr, wie viele Leute abwanderten. Als Soziologe fände er es viel spannender, auf die bleibende Mehrheit zu schauen. Und was die eigentlich mache? Vor diesem Hintergrund wünschte er sich einen „lebendigen Diskurs darüber, wie das Zusammenleben zukünftig sein soll.“

Von Ausnahmezuständen und Fledermäusen

Mit diesem Intro ging es in die „Stadtgespräche“. Der vielseitige Sessionplan brachte einige Teilnehmende in Entscheidungsnot – denn bei allen Gesprächen dabei zu sein, war unmöglich. Eine Entscheidungshilfe konnten da die übergeordneten Themen darstellen, die sich hinter Sessiontiteln wie „Farbküche & Stadtmensch“ oder „Ausnahmezustand auf Zeit“ verbargen: Diese reichten von Beteiligungsformaten für Bürgerinnen und Bürger (Demmin, Buckow, Saalfeld, Goldberg, Altenburg), Kinder- und Jugendprojekten (Tangerhütte, Wurzen) über Gründerhubs (Görlitz, Rothenklempenow), Zwischenraumnutzungen (Zeitz, Saalfeld), Rückkehrinitiativen (Finsterwalde) bis zu nachhaltigen Kommunen (Baruth) und Kulturvermarktung (Merseburg). Wer sich für akademische Ergebnisse interessierte, konnte sich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom Forschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ über Zukunftswege von Kleinstädten austauschen. Beispiele von unterschiedlichen Orten, was besonders junge Locals happy macht, steuerte zudem die Initiative Happy Locals bei. Wem das zu viel Reden war, konnte sich im Werkraum mit dem Bau von Fledermauskisten selbst nützlich machen – denn während sich die meisten über die Neunutzung von Leerstand freuen, müssen sich die kleinen Flughunde eine neue Bleibe suchen.

Zu Gast: Rückkehrerinitiative „Hierzulande(n)“ aus Müncheberg Im Süden Brandenburgs hat sich Finsterwalde in den letzten Jahren aufgrund von Rück- und Zuzug zu einem kleinen Schwarmstädtchen entwickelt. Die Rückkehrinitiative „Comeback Elbe-Elster“ hat sich bereits mit der innovativen, sozialen und kulturellen Wirkung von Rückkehrern und Zuzüglern auf das Stadtleben beschäftigt. Nach einem kurzen Input mit konkreten Beispielen sollen gemeinsam weitere Wirkungsansätze und der draus folgende Mehrwert für eine ländliche Kleinstadt erörtert und diskutiert werden.

Stephanie Auras-Lehmann, Rückkehrinitiative Comeback Elbe-Elster
Carolin Schönwald, leitet die Rückkehrinitiative hierzulande(n) in Müncheberg

Comeback EE hierzulande

Brohm Tangerhütte

Das Dach des Schlosses ist undicht. Das Geld für eine Reparatur hat die Stadt nicht. Und damit ist der wichtigste Identifikationsort für Tangerhütte in akuter Gefahr. Zur Rettung ruft der Bürgermeister zusammen mit Bürger*innen der Stadt die Aktion „Dachschaden“ ins Leben. Keiner weiß am Anfang, ob das gut enden kann. Doch diese Aktion eröffnet neue Wege, weckt neue Tatkraft und stärkt die Gemeinschaft von Tangerhütter. Der Bürgermeister stellt seine Stadt und ihren Veränderungsprozess persönlich vor.

Andreas Brohm, Bürgermeister Tangerhütte

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Giller Saalfeld

Wie kann das Zusammenspiel zwischen Stadtplanung, Jugendhilfe- und Sozialplanung und zivilgesellschaftlichen Akteuren in immer komplexer werdenden partizipativen Planungsprozessen gelingen? Was und wer bringen die Prozesse voran? Wo liegen die Herausforderungen und Stolpersteine in benachteiligten Quartieren? Welche Ideen und Lösungen gibt es?

Hanka Giller, Stadtverwaltung Saalfeld, Amt für Jugendarbeit/Sport/Soziales
Pascal Kopper, Studierender der FH Erfurt, FB Stadt- und Raumplanung

Beide Mitwirkenden begleiten die Planungs- und Umsetzungsprozesse im Quartier Alte Kaserne. Hanka Giller ist Koordinatorin des IBA-Prozesses in der Stadt Saalfeld. Pascal Kopper absolviert Praktika im Rahmen seines Studiums und bereichert die Mitwirkungsprozesse in Saalfeld.

E-Mail Hanka Giller

Das Wohn- und Gewerbegebiet Alte Kaserne ist jahrelang der Problemstadtteil der Stadt Saalfeld. Der Migrationsanteil liegt bei mehr als 60 %. Dann verändern sich Sichtweisen auf das Quartier und es wird zum ZWISCHENRAUM ZUM ANKOMMEN. In modularer Bauweise entsteht das WERKHAUS im Quartier Alte Kaserne. Die IBA Thüringen ermöglicht einen „Ausnahmezustand auf Zeit“ und plant, baut und gestaltet im Rahmen von jährlichen Sommerwerkstätten mit den Bewohner*innen das künftige WERKHAUS. Von Freud und Leid und bürokratischen Hürden in diesem spannenden Prozess wird in dem Workshop berichtet.

Hanka Giller, Stadtverwaltung Saalfeld, Amt für Jugendarbeit/Sport/Soziales
Pascal Kopper, Studierender der FH Erfurt, FB Stadt- und Raumplanung

E-Mail Hanka Giller

Heidrun Hiller Neubrandenburg 2

Von März 2016 bis September 2019 begleitete ein Dreierteam der Hochschule Neubrandenburg acht Kleinstädte in peripheren Lagen Deutschlands diese in einem mehrstufigen Zukunftsprozess. Die angewandten Methoden - BarCamps für die Beteiligung der Jugendlichen und narrative Szenarien für die Entwicklung des jeweiligen Zukunftsbildes - waren für alle Akteure Neuland. Dieses zu betreten, war ein überraschend effektiver und erfolgreicher Prozess. Perspektivwechsel zuzulassen, Ungehörte einzubinden, Ungesehenes sichtbar zu machen und Austausch zu ermöglichen hat ein Verständnis von kooperativer Kleinstadtentwicklung erzeugt, dass das Beteiligungs- und Selbstverständnis in den acht Kleinstädten nachhaltig beeinflusst hat.

Heidrun Hiller, Dipl. Ing. Stadt- und Regionalplanung, seit 2005 Mitarbeiterin an der Hochschule Neubrandenburg in wechselnden Forschungs- und Praxisprojekten

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Merseburg besitzt einen reichen kulturellen Schatz: Einerseits eine Vielzahl sehenswerter kultureller Höhepunkte mit regionaler und nationaler Ausstrahlungskraft, andererseits eine engagierte und aktive Bürgerschaft in diesem Bereich. Dieser Schatz soll in den kommenden Jahren stärker als bisher zu einem Motor der weiteren Stadtentwicklung werden. Aus diesem Grund haben die Stadt Merseburg und die Willi-Sitte-Galerie im Jahr 2017 ein Projekt mit dem Titel „Kulturschatz Merseburg“ ins Leben gerufen, welches durch das Programm Sachsen-Anhalt REGIO unterstützt und vom Merseburger Innovations- und Technologiezentrum begleitet wird. Ziel ist es, unsere Kulturangebote inhaltlich weiterzuentwickeln, sie besser miteinander zu vernetzen und sie unter einer einheitlichen Dachmarke wirksamer zu vermarkten – in der Region und deutschlandweit.

Heike Gebhardt, Wirtschaftsförderung und Projektentwicklung Mitz GmbH, Organisatorisches Projektmanagement „Kulturschatz Merseburg“

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Kulturhanse Erfurt Präger

Wir stellen unser Entwicklungsprogramm für lokale Labore für Gründungen und Zivilgesellschaft vor, und wie durch die Unterstützung lokaler Akteure Leerstand und lokale Wirtschaft belebt werden können, neue Ansiedlungsperspektiven entstehen. Über Wirkungslogik, Anwendungsmöglichkeiten und unsere und Eure Erfahrungen wollen wir diskutieren.

Steffen Präger, Plattform e.V., geschäftsführender Vorstand und Kulturhanse-Team
Friederike Günther, Plattform e.V., Mitarbeiterin und Kulturhanse-Team
Beide entwickeln und beraten seit vielen Jahren Leerstand, lokalen Initiativen und kulturkreative Gründer*innen. Für die Kulturhanse und bereits in Vorgängerprojekten wie Ladebalken und Werft34 arbeiteten sie zusammen an der Konzeption und in der Umsetzung.

E-Mail Friederike GüntherWebseite

Mahlzeit! Was darf es denn sein? Die Speisekarte der Farbküche Altenburg bietet eine große Vielfalt - von junger, frischer Graffitikunst über kreative Workshops für DIY-Hungrige bis hin zu erlebnispädagogischen Bildungs- und Entwicklungsprojekten in Schulen und sozialen Einrichtungen. Daneben stehen allen, die schon auf den Geschmack gekommen sind, die Atelier- und Werkstatträume für eigene Kreationen, Experimente und bunte Begegnungen offen. Um noch mehr anzuschieben, hat sich die Farbküche mit dem Schloss- und Kulturbetrieb Residenzschloss Altenburg, der W³ Wandel-Werte-Wege gUG sowie dem Förderverein Zukunftswerkstatt Paul-Gustavus-Haus e.V. zusammengetan, um gemeinsam Stadt zu gestalten und ein eigenes Modell der koproduktiven Stadt zu entwickeln.

Susann Seifert

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Mittelstädt Goldberg

Das Amt Goldberg-Mildenitz hat sich aufgemacht, seine Zukunft wieder selbst in die Hand zunehmen. Dazu wird mit den Bürger*innen zusammen ein interkommunales Entwicklungs-konzept für die eigene Region erstellt. Um dieses große Gebiet von 245 qkm mit ca. 6500 Einwohner und 36 Dörfern dauerhaft an der Diskussion zur zukünftigen Entwicklung zu beteiligen, wurde ein System von Bürgerbotschafter*innen in den Dörfern, lokalen Räten in den Gemeinden und einem amtsweiten Mildenitzrat ins Leben gerufen. Der Beteiligungs-prozess läuft noch bis Juni 2020. In diesem Beitrag stellt die Amtsleitung persönlich die Struktur, die Ziele und die bisherigen Erfolge und Herausforderungen des breiten Beteiligungsprozesse vor.

Dirk Mittelstädt, Amtsvorsteher, Bürgermeister der Gemeinde Dobbertin und Initiator des Prozesses
Mark Kinski, Amtsleiter und wichtige Person in der Umsetzung und für die Integration der Ergebnisse ins Amt
Siri Frech, Thünen-Institut für Regionalentwicklung, Projektleitung

E-Mail Dirk MittelstädtWebseite Amt Goldberg E-Mail Siri Frech Webseite Thünen Institut

Weltacker Keye

In dem Workshop wird der Weltacker 2000m2, als konkretes Bildungsfeld, erklärt. Es gibt ihn an 7 Standorten der Welt und er liefert als konkrete 2000 qm Acker und Ausstellungsfläche Bewusstsein über die Auswirkung unseres täglichen Konsums auf unsere Umwelt. Anhand des Rothenklempenower Ackers wird aufgezeigt, wie er für die Regionalentwicklung nützlich ist. Anschließend wird genug Raum sein, um gemeinsam darüber zu diskutieren.

Tobias Till Keye , Neulandgewinner und Gründer diverser Unternehmen und Organisationen. Er ist Inhaber der Agentur für nachhaltige Entwicklung Projekt N und Geschäftsführer der Höfegemeinschaft Pommern. Im Ehrenamt steht er dem Verein Bildung für nachhaltige Entwicklung vor, welcher das Regionale Kompetenzzentrum für Bildung für nachhaltige Entwicklung RCE Stettiner Haff trägt.

E-Mail Tobias Till Keye

Demmin 2

Als Mittelzentrum zwischen Ostsee und Mecklenburgischer Seenplatte ist Demmin eher unauffällig, manchen vielleicht sogar unbekannt. Das, was sich bewegt, entdeckt man manchmal erst auf den zweiten Blick – und in letzter Zeit haben mehrere Akteure in der Stadt ein gemeinsames Ziel – eine Vision/einen Masterplan für ihre Stadt. Davon berichten sie in kleinen Einblicken und mit einzelnen Projekten.

Sarah Dittrich, Neulandgewinnerin der 4. Runde mit dem Aufbau eines Vereinsnetzwerkes, (Mit-)Initiatorin der partizipativen Gestaltungsprozesse in Demmin
Maria Magdalena Schwaegermann, Berliner Tanz- und Kunstagentin, die sich in Demmin verliebt hat, eigene Projekte mit renommierten Künstler*innen umsetzt und ihre Zukunft in Demmin gestalten will
Hannes Matthäus, Tonkünstler, der als Rückkehrer seine Heimatstadt mitgestalten will und sich für eine kulturell hochwertige Entwicklung einsetzt.

E-Mail Sarah Dittrich


Demmin hat traumatische Endkriegstage ebenso wie Neuanfänge erlebt. Welche Rolle spielen die letzten alten Gebäude in der „verwundeten“ Stadt, wie viel Neubeginn muss sein? Einerseits ERHALT- RESTAURIERUNG z.B. Speicher Ensemble, Haus Demmin, Haus Heyden-Linden und Post, andererseits NEUBAU-WIEDERAUFBAU Markt mit Filmmuseum. Es existieren erste Ideen zu einem Masterplan für Demmin, eine umfassende Aufarbeitung der Stadtgeschichte mit Schwerpunkt auf den zwei großen Brüchen (das Kriegsende und die Zeit der Wiedervereinigung) liegt in den Anfängen, Kontakte in die Kommunalpolitik und zum Land werden geknüpft und auch zu möglichen Strukturen der partizipativen Stadtentwicklung ist ein Ansatz gefunden. Aber worauf kommt es nun bei der Beteiligung von Bürger*innen an? Wie kann dieses Unterfangen nachhaltig gelingen? Es soll in offener Austausch mit geladenen Gästen und möglichst vielen Vertreter*innen von Kleinstädten vor Ort stattfinden, so dass jeder bereichert durch die Erfahrungen anderer in seiner Kleinstadt wirken kann.

Sarah Dittrich, Neulandgewinnerin der 4. Runde mit dem Aufbau eines Vereinsnetzwerkes, (Mit-)Initiatorin der partizipativen Gestaltungsprozesse in Demmin
Karsten Wolkenhauer , Pastor der Evangelischen Gemeinde St. Bartholomäi, der sich aktiv für eine neue Erinnerungskultur in Demmin einsetzt und das zivilgesellschaftliche Engagement in der Stadt unterstützt.
Maria Magdalena Schwaegermann , Berliner Tanz- und Kunstagentin, die sich in Demmin verliebt hat, eigene Projekte mit renommierten Künstler*innen umsetzt und ihre Zukunft in Demmin gestalten will.
Hannes Matthäus , Tonkünstler, der als Rückkehrer seine Heimatstadt mitgestalten will und sich für eine kulturell hochwertige Entwicklung einsetzt.

E-Mail Sarah Dittrich


Wir haben die grundsätzliche Überzeugung, dass junge Erwachsene in einem entsprechendem Raum Kreativität und Gemeinschaft entfalten können. Ganz konkret ist hiermit ein physischer Raum, kein virtueller Raum, gemeint. In Warstein entstand nach dem Happy Locals Workshop „NO MORE LANGEWEILE“ ein neuer Experimentierraum, das FH3, der von dem Verein We love Warstein e.V. getragen wird. Das FH3 bietet Platz für alle möglichen Projekte und Belange von jungen Menschen: Pop Up Initiativen, Film, Musik, eine Bar, einen Club und einen Think Tank. Jegliches Tun und Lassen ist in diesem Raum möglich, er ist ein Ort der Kreativität, Toleranz und Offenheit.

Annette Ochs , Gründerin Happy Locals
Dimitri Hegemann , Gründer Happy Locals
Tycho Pfäfflin , Mitarbeiter Happy Locals
Frederic Cramer , Vorstand We love Warstein e.V.

E-Mail Happy LocalsWebseite


2011 wurde ein offizieller Freundschaftsvertrag zwischen den Städten geschlossen, die mehr Gemeinsamkeiten haben, als zu vermuten wäre – nämlich ausreichend Holz und Wasser. Durch alljährliche gegenseitige Delegationsbesuche hat sich die Partnerschaft gefestigt und im Rahmen eines Förderprogrammes des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, wurde 2015/16 ein erstes offizielles kommunales Kooperationsprojekt zu dem Thema Wasser und Abwasser umgesetzt: die Errichtung eines kommunalen Weiterbildungszentrums für Handwerk, Nachhaltigkeit und Ökologie in nachhaltiger Holzbauweise, kurz „UNSER HAUS“ genannt. Die gelungene und mit viel Engagement und Leben erfüllte kommunale Zusammenarbeit zwischen Baruth und Murun gilt jetzt schon in der Mongolei und bundesweit als Vorzeigebeispiel im Engagement der „Global Nachhaltigen Kommune“. In diesem Kleinstadtraum werden die Wege einer guten, nachhaltigen Kooperation zwischen zwei kleinen Städten mit großer Wirkung dargestellt und ganz praktische Tipps dazu gegeben, wie dies im eigenen Ort umgesetzt werden kann.

Karsten Wittke, seit 2018 Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik der Stadt Baruth/Mark. In dieser Funktion betreut er die Aktivitäten und infrastrukturellen Projekte mit der mongolischen Partnerstadt Murun zu den Themenbereichen Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft und das kommunale Weiterbildungszentrum zu Ökologie, Nachhaltigkeit und Handwerk in Murun. In Baruth/ Mark setzt er sich für die Umsetzung der Agenda 2030 und der 17 Nachhaltigkeitsziele auf kommunaler Ebene ein.

E-Mail Karsten WittkeWebseite


Die Modernisierung von Altbausubstanz (Dämmung) führt oft zur Verschließung der Einfluglöcher unserer Mitbewohner – den Fledermäusen. Diese nützlichen Flugsäugetiere sind nicht gefährlich, sondern regulieren im Naturhaushalt die Population von Insekten Wespen, Mücken und Tstsefliegen. Im Sommer in Dachböden oder Baumhöhlen, im Winter in Kellern oder Verstecken fristen sie ihr schauriges Dasein. Obzwar ihre Fähigkeiten hinsichtlich der Fortbewegung immer noch Rätsel aufgeben wird der Lebensraum dieser possierlichen Zeitgenossen weiter eingeschränkt. Dem gilt es Alternativen oder zumindest Ausweichquartiere entgegen zu setzen, was man im Werkraum während des OPEN Neuland bauen kann.

Stefan Mömkes, Neulandgewinner

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Stadtgespräche und Möglichkeitsräume

Den Vielklang der Kleinstädte an diesem Tag in seiner Fülle zu hören, war nur durch Sessionhopping möglich. Wer neugierig auf das bewegte Zeitz war, der ging zuerst in Thomas Haberkorns Session. Der nahm die Zuhörenden mit auf eine Reise in das Zeitz der Vor- und Nachwende, um mit der These, Zeitz sei heute wie Leipzig vor 15 Jahren, in der Gegenwart anzukommen. Dass die Stadt heute sehr viel bunter als noch vor einigen Jahren sei, liege auch an den unterschiedlichen Projekten seines Vereins Kloster Posa e.V. Das neueste: ein Stadtquartier für Gespräche auf Augenhöhe zwischen Kreativen, Wirtschaft und Verwaltung. Die Ermessensspielräume von Verwaltung und Politik, die an solchen Orten verhandelt werden sollen, waren dann auch das, was die meisten Teilnehmenden interessierte. Konzepte von Freiraumregelungen, Möglichkeitsräumen und Zukunftsschutzgebieten wurden rege und interessiert diskutiert, kannten doch die meisten aus der Runde die Angst von Verwaltungen, sich auf unbekanntes Terrain zu wagen.

Stadtraum Zeitz

Thomas Haberkorn ist in Zeitz geboren, hat hier Abitur gemacht, ein Kulturcafé gegründet, ist weggegangen, hat sich die Welt angeschaut, ist wiedergekommen, hat das Kloster Posa mitbelebt, bringt Nutzungen in leere Gebäude und baut mit anderen an einer neuen Stadtentwicklung für Zeitz. Als überzeugter Zeitzer ist er auf der ständigen Suche nach neuen Wirkungswegen in und für die Stadt. Das ist nicht ohne Folgen geblieben. Andere Menschen kommen zurück. Neue ziehen zu. Keimzellen für neue Entwicklungen entstehen. Die Geschichte einer engen Beziehung zwischen einem Bürger und seiner Stadt.

Thomas Haberkorn, Kultur- und Medienpädagoge, Rückkehrer, Heimatverliebter, Mitinitiator von Kloster Posa und Neulandgewinner mit Lokal.Format.

Kloster Posa

Einen ungewöhnlichen Weg, unterschiedliche Akteure außerhalb von politischen Gremien und Institutionen miteinander ins Gespräch zu bringen, demonstrierte auch die Bürgerbühne Buckow in ihrer Session. Caroline Schönwald zeigte wie mit theatralischen Mitteln Diskurse der Stadt mit Humor und Augenzwinkern aufgegriffen werden können. Wie dabei auch die subtileren Themen direkt zur Sprache kommen, veranschaulichte sie gleich vor Ort, als sie in die Runde fragte, wie es denn nun sei mit den Zugezogenen bei Stadtentwicklungsprozessen: Pfund oder Last? Damit heizte sie eine angeregte Diskussion an. Denn wo die einen tatsächlich ein Misstrauen gegenüber ambitionierten Zugezogenen sahen, berichteten andere, dass sie als Einheimische über jeden Zugezogenen froh seien, der mit anpacke. Dass ein gewisser Blick von außen manchmal hilfreich sei, konnten die meisten bestätigen. Manche wünschten sich gar, dass gerade die junge Generation nach der Schule auf eine Art Walz gehe, um dann mit frischen Ideen für die Heimat zurückzukommen. Dafür müssten sich die Jugendlichen aber schon früh mit ihrer Heimatstadt identifizieren.

Schönwald Buckow Bürgerbühne

Das Format BürgerBühne stärkt die Diskussionskultur zwischen Vertreter*innen aus (Kommunal-)Politik und Verwaltung, Bürgerschaft, Betroffenen und Experten und sie schafft einen Dialog auf gleicher Augenhöhe außerhalb politischer Gremien und Institutionen. Diese besondere Art der Bürgerbeteiligung findet seit November 2016 alle ein bis zwei Monate im Buckower Familiencafé [lokal.] statt. Einem kurzen Theaterinput – wo Bürger*innen für Bürger*innen spielen – folgt eine moderierte Diskussion mit fachlicher Expertise durch geladene Experten. Zum OPEN Neuland ist die BürgerBühne zu Gast in Zeitz mit Studierenden der Evangelischen Hochschule Berlin.

Carolin Schönwald, Theaterpädagogin und Gemeinwesensarbeiterin
Fabian Brauns, Soziologe, Neulandgewinner OTTO – der Begegnungsbus

Beide habe die BürgerBühne in Buckow in Leben gerufen und organisieren diese seitdem regelmäßig.
Studierende der Evangelischen Hochschule Berlin

E-Mail Carolin SchönwaldWebseite

Wie das gelingen kann, darauf hatte die Session rund um die Kinder- und Jugendbeteiligung in Tangerhütte Antworten. Eileen Wolf-Köppe und Christin Genz berichteten von der tags zuvor stattgefundenen Jugendkonferenz in Tangerhütte. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sei in Brandenburg schon gesetzliche Pflicht, berichtete Fabian Brauns vom Kultus e.V. aus Brandenburg. Die Teilnehmenden der Runde sahen ebenfalls die Kommunen zunehmend unter Druck, sich durch neue Angebote den Interessen der jungen Generation zu öffnen. Wie ambitionierte politische Arbeit und der Wunsch, Bestehendes zu ändern, auch bis an die persönlichen Belastungsgrenzen führen kann, davon berichtete in einer weiteren Session der Bürgermeister aus Tangerhütte, Andreas Brohm selbst. Am Beispiel von Engagement-projekten zeigte er, wie Machtspiele und Befindlichkeiten zu Blockaden und Stillstand führen können: „Ich mache mein Amt aus voller Überzeugung. Aber der Preis ist sehr hoch.“ Unter den Zuhörenden war auch Frederick Bewer aus Angermünde, ein weiterer der neuen Generation von Bürgermeistern in Ostdeutschland. Er plädierte dafür, Widerstand nicht persönlich zu nehmen. Er sehe im Bürgermeisteramt auch eine Art Lebensschule.

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Mitsprache und Partizipation. Auf dieser Grundlage initiiert der Verein KinderStärken e.V. in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte Projekte zur Förderung von Kinder- und Jugendbeteiligung. Gemeinsam mit Vertreter*innen der offenen Kinder- und Jugendarbeit wird berichtet, wie dies in der Praxis gelingen kann. In diesem Beitrag werden Ansätze für die Schaffung struktureller Rahmenbedingungen diskutiert. Wie können Dialoge hergestellt und nachhaltige Strukturen in der Kommune implementiert werden? Zu Gast sind die Happy Locals und die Kleinstadt Buckow

Andreas Brohm, Bürgermeister von Tangerhütte
Grit May, , KinderStärken e.V., Bereich Kinder- und Jugendbeteiligung
Christian Nikolov, KinderStärken e.V., Bereich Kinder- und Jugendbeteiligung
Eileen Wolf-Köppe, Jugendclub Tangerhütte
Christin Genz, Mobile Jugendarbeit in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte

E-Mail Grit MayWebseite

Brohm Tangerhütte

In der Gemeinde Tangerhütte gibt es ein starkes, wachsendes Ehrenamt – agile Netzwerke wie „Neue Nachbarn“ oder eine Spendengruppe für neue Radwege entstehen aus der Bevölkerung heraus. Auf der anderen Seite gibt es das gewählte Ehrenamt, der in festen Strukturen arbeitende Stadtrat von Tangerhütte. Beide Formen haben eine ganz unterschiedliche Auffassung von Ehrenamt und stehen sich zunehmend im Wege. Und beide sind wichtig für die Gemeinde. Der Bürgermeister Andreas Brohm sieht sich als Vermittler: die einen stärkend - die anderen einbindend. Doch dies ist kein einfaches Unterfangen. Gemeinsam soll nach Ideen und Lösungen im Umgang mit diesen unterschiedlichen Kräften in der Gemeinde gesucht werden.

E-Mail Andreas Brohm

Ein harmonischeres Bild, wie Kommune und Zivilgesellschaft miteinander arbeiten, lieferte die Session „Stadt und Dorf gemeinsam“ aus Wurzen. Cornelia Hanspach, Pressesprecherin der Stadt und Martina Jacobi vom Schweizerhaus Püchau e.V. berichteten vom Erfolg eines regelmäßigen Vereinsstammtischs. Dieser habe auch dazu geführt, gemeinsam eine Stimme gegen Rechts zu haben. Miteinander ins Gespräch zu kommen, das scheint eines der übergeordneten Themen dieses Tages zu sein. Synergien nutzen, gemeinsam mehr bewirken als alleine. Das ist auch das Motto vom Ahoj Gründungslabor in Görlitz. Anna Caban und Lorenz Kallenbach wollen Menschen auf der Suche nach neuen Arbeits- und Lebenssituationen jenseits der großen Städte unterstützen. Diese in Kleinstädten zu suchen, scheint ein guter Zeitpunkt. Denn auch wenn es nicht möglich ist, bei allen Sessions dabei zu sein, reichen die Eindrücke und die Buffetgespräche doch aus, um den Geist des Aufbruchs zu spüren, der an diesem Tag durch die mit Öfen geheizten Räume der alten Bibliothek weht. Und so ist es nicht überraschend, wenn Lorenz Kallenbach verwundert auf die Frage, warum er von Dresden nach Görlitz gezogen sei, mit „Warum nicht?!“ antwortet. Anders als in Großstädten, wo Improvisation und Do-it-Yourself-Mentalität vor allem Zeitvertreib sei, könne man damit in Kleinstädten richtig was bewegen.

Das Kühlhaus Görlitz & das kfuenf-kollektiv haben Leerstände kurzzeitig und dauerhaft belebt und sind zu Raumgeber:innen für andere geworden. Wir wollen euch über neuste Entwicklung und der vergangenen Jahre in Görlitz Einblick geben, wenn ihr uns danach fragt. In einer dafür eingerichteten Gesprächsraum haben wir alles da, was es dafür braucht. Bilder haben wir auch dabei. Als Stipendiat:innen & mittlerweile Mitglieder der Kulturhanse konnten wir im vergangenen Jahr unsere bisherigen Erfahrungen wunderbar reflektieren und als neues Konzept startklar machen: Das gemeinwohlorientierte Gründungslabor a h o j - Görlitz.

Danilo Kuscher , Kühlhaus Görlitz
Anna Caben , kfuenf GbR, SecondAttempt e.V. & ahoj-Kernteam
Maria Oberländer , SecondAttempt e.V. & ahoj-Kernteam
Lorenz Kallenbach , kfuenf GbR, ideenfluß e.V. & ahoj-Kernteam

Webseite Kühlhaus Görlitz Webseite ahoj Görlitz

Bereits seit 2014 gehen Wurzen und die Nachbarkommunen Thallwitz, Bennewitz und Lossatal neue Wege. Damals versuchten die meisten kleinen Städte in Sachsen den demographischen Wandel mit der Fusion der umliegenden noch kleineren Gemeinden abzuschwächen. Wurzen und die drei Nachbarn waren überzeugt, dass diese aufgezwungene Eingemeindungspolitik dazu führt, dass sich die Bürgerinnen und Bürger noch weniger mit ihrer Kommune identifizieren. Für nachhaltiges bürgerschaftliches Engagement ist das aber eine Grundvoraussetzung. Statt Fusion hieß es daher Kooperation über bestehende kommunale Grenzen hinweg. Verwaltungen, Vereine, Initiativen – inzwischen arbeiten wir recht erfolgreich miteinander, stemmen gemeinsam Projekte und entwickeln ein Wir-Gefühl für das Wurzener Land. In diesem Beitrag soll über Strukturen, Ziele, Erfolge und Herausforderungen ganz praxisnah berichtet werden. Am Beispiel von DER LADEN – Raum für Kunst und Kultur, werden weiche Faktoren für ländliche Lebensqualität beleuchtet.

Cornelia Hanspach , Pressesprecherin der Stadt Wurzen, Leiterin SB Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, engagierte Stadtgestalterin
Martina Jacobi , Neulandgewinnerin mit DER LADEN – Raum für Kunst und Kultur, Kunst- und Kulturschaffende, Geschäftsführerin des Kunst- und Bildungsvereins Schweizerhaus Püchau e.V. im Landkreis Leipzig

E-Mail Schweizerhaus Püchau Webseite

Zuletzt kamen alle Teilnehmenden dieses Tages wieder im Hauptraum zum Pecha-Kutcha-Abschluss zusammen. Mit Zeitzer Stilblüten und Zeit für Stille wurde es launig und nachdenklich. Am Ende sind keine Fragen mehr offen bzw. die Redezeit ist vorbei. Jetzt geht es wieder ums Handeln und Bewegen – und in der anschließenden Party auch mal darum, sich für das zu feiern, was schon geschafft ist.

 

PC FilmSachsen

Annemarie Renker, Projektmitarbeiterin beim Filmverband Sachsen e.V.

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PC Kruse Staßfurt

Nikoline Kruse, Neulandgewinnerin mit dem Projekt „Bunte Insel Staßfurt – Kreativbüro mit Werkstätten"

WebseitePräsentation Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

PC Peuker

Hans-Werner Preuhsler, Initiative Regionalgenossenschaft e.V., Projektkoordinator Engagierte Stadt Apolda

Präsentation Webseite RegionalgenossenschaftWebseite Engagierte Stadt Apolda

PC Zeitz Baumgarten

Philipp Baumgarten, Initiator von Open Space Zeitz und Mitbegründer von Kloster Posa e.V.

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