Mit alten Mopeds in die Zukunft

Förderrunde 5: 2021–2023

Die „Simson“ war DAS Moped der DDR, reparaturfreundlich, millionenfach verbreitet, und es durfte wegen einer Sonderregelung nach der Wende weiter ohne Zulassung 60 km/h (statt 45 km/h) fahren. „Ein erstklassiges Produkt“, sagt Vaiko Weyh, „wurde von der Treuhand trotzdem platt gemacht.“ Dreißig Jahre später fahren die Simsons noch immer, und sind in Weyhs Heimatstadt Schweina ein Symbol des Optimismus. In seiner Schrauberwerkstatt rennen Jugendliche ihm die Türen ein – Elektrik, Getriebe, Motor, alles ist machbar. Weyh, selbst Maschinenbau-Meister und immer schon ein „Schrauber“, hilft, berät und vermittelt Spezialwissen. Zirka 65 Mopeds wurden StVO-tauglich gemacht, die Mitgliederzahl ist von 7 auf 56 angestiegen. Der Jüngste ist 13, der Älteste 69 Jahre alt. „Manche lernen wahnsinnig schnell, nur vom Zuschauen“, sagt Vaiko Weyh. „Wenn nur ein kleiner Teil dadurch eine berufliche Perspektive findet, hat sich alles schon gelohnt.“

Durch den Zuwachs wurde es zuletzt eng in der Werkstatt, es fehlte an Arbeitsbühnen und Werkzeug. Deshalb will Weyh die Werkstatt ausbauen, einen Hausmeister anstellen, das Angebot erweitern. Wer nicht an den Mopeds schrauben kann oder will, findet Freiräume, auch einen Billardtisch und einen Tischkicker. Weyhs Werkstatt vermittelt Selbstbewusstsein, Gemeinschaft und Perspektive. Ein cooles Gefährt in fachkundig repariertem Zustand fällt noch obendrein ab. Inzwischen gehen die sogar über die Zweitakter-Ära hinaus: Weyh hat mit seinen jungen MitstreiterInnen zu Lernzwecken schon zwei Simsons mit einem Elektro-Antrieb umgebaut.

sueden Ostdeutschland Runde 5 2021