Was für eine ungeheure Wirkung sich entfalten kann, wenn viele Stränge des persönlichen Werdens und Wollens zusammenlaufen, lässt sich bei Sarah-Ann Orymek eindrucksvoll bestaunen. Die junge Frau ist studierte Grundschullehrerin, also mit allen pädagogischen Wassern gewaschen, war Berufschullehrerin, in der Jugendarbeit tätig, ist gelernte Brettspielredakteurin, macht heute Stadtführungen und entstammt einer wahren „Spiele-Dynastie“ – ihre Familie hat vor 16 Jahren die über die Stadtgrenzen hinaus bekannten alljährlichen Altenburger Spieletage mit einem Fundus von mittlerweile 4.300 Spielen ins Leben gerufen. In Begleitung ihrer Mutter tourt sie zudem mit einem „Mobilen SpieleCafé“ zu Schulen und anderen Events. Was für ein Output!
Nun führt sie all diese Erfahrungs-Stränge im Projekt „Dorfnah – die Dorfinventur“ zum Wohle der Gemeinschaft zusammen. „Ich möchte Dorfgemeinschaften spielerisch zusammenbringen“, fasst sie den Kern zusammen. Das Ziel: Niedrigschwellige und einfache Ideen für die Kommune kollektiv entwickeln und auch gemeinsam umsetzen. Dabei geht es für Sarah-Ann explizit nicht um Großprojekte wie Spielplätze (aber auch!), sondern vor allem um einfache Maßnahmen, die das Leben aller leichter machen: Eine Bank aufstellen, die vielleicht fehlt, einen Flohmarkt ins Leben rufen oder auch das Wissen weitergeben, wo im Dorf es eigentlich frische Eier gibt und wer noch selbst strickt. In der Vergangenheit habe es ähnliche Versuche bereits gegeben, aber „am Ende ist dann nicht wirklich viel passiert“.
Das soll sich nun ändern. Und zwar mit einem Dreisprung: Im ersten Schritt lädt Sarah-Ann gemeinsam mit einem lokalen Akteur, beispielsweise der Freiwilligen Feuerwehr, die Menschen in zunächst fünf Dörfern rund um Altenburg ans Spielbrett. Die Aufgabe: das Dorf nachbauen, also Straßenverläufe legen und wichtige Gebäude wie Kita oder Marktplatz aufstellen. „Dabei kommen die Menschen ins Gespräch und beginnen, sich über ihr Dorf auszutauschen: Was fehlt? Was ist schon da? Was kann man besser machen? Es geht um ihre Wünsche und Visionen für die Kommune.“
Im zweiten Schritt werden die Wünsche und Ideen zusammengeführt und an einem weiteren Gemeinschaftstag besprochen, ehe sich Teams für die Umsetzung bilden sollen, die im dritten Schritt begleitet werden, damit die Motivation hoch bleibt und die Frustration klein. All das geht nicht ohne Rückendeckung aus dem Rathaus. „Die Bürgermeister:innen dafür zu gewinnen, ist elementar“, sagt Sarah-Ann. Bisher habe sie nur positive Rückmeldungen bekommen, einige seien geradezu begeistert von der Idee. „Wir wollen es schaffen, dass sich die Gemeinschaft des Dorfes von einem Nebeneinander zu einem Miteinander verändert“, sagt Sarah-Ann. Man kann sicher sein, wenn das jemandem gelingt, dann ihr!