Eine Bühne für die Politik

Förderrunde 5: 2021–2023

Wer einmal die Energie von Carolin Schönwald im Gespräch erlebt hat, kann sich ausmalen, wie es bei einer von ihr inszenierten „Bürgerbühne“ wohl zugeht. Da wird wachgerüttelt, aufgerührt, gestritten, aufgemischt: „Es muss witzig sein“, sagt Schönwald, „schön überspitzt, die Konflikte müssen sichtbar werden.“ 

Die Idee, kommunale und lokale Politik auf einer Bühne auszutragen, nennen Fachleute „legislatives Theater“. In der brandenburgischen Kleinstadt Buckow ließen die studierte Theaterpädagogin und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter vom Verein „KulTuS e.V.“ solche Themen-Spektakel schon rund 20-mal steigen, über kommunale Immobilien, Straßenverkehr, den Kurortstatus und vieles mehr. Das Konzept klingt spontan und improvisiert, tatsächlich braucht ein „Bürgertheater“ aber akribische Vorbereitung und mindestens drei Monate Vorlaufzeit. Vor Ort müssen die Probleme und Konfliktlinien eruiert, dann lokale MitstreiterInnen für die Show gefunden werden: „Alle Akteure müssen aus dem Ort sein, bekannte Gesichter, derentwegen die Leute kommen“, so Schönwald. Ist der Bürgermeister dabei, wird das Lokal voll – schon um zu sehen, wie der oder die sich schlägt. Nach vier bis fünf Probenabenden wird das etwa 15-minütige Stück aufgeführt. Die Diskussion danach ist in der Regel weitaus lebhafter als Lokalpolitikerinnen und -politiker es gewohnt sind. 

 

Als Neulandgewinnerin des Landes Brandenburg wird Schönwald weitere Gemeinden mit dieser Methode der Bürgerbeteiligung bekannt machen. Vermutlich wird sie auch dort wieder Gräben sichtbar machen, um sie danach besser überwinden zu können.

brandenburg Ostdeutschland Runde 5 2021