Versöhnung am Beckenrand

Förderrunde 5: 2021–2023

2019 berichteten Medien weltweit über die Kleinstadt Ostritz und ihren kreativen Protest gegen ein Festival der rechten Szene. Mittendrin im Protest: Georg Salditt. Nach dem Medienrummel musste er mit ansehen, wie der Zusammenhalt in der Stadt litt. Es bildeten sich Lager entlang der Frage, wie mit rechtsextremen Positionen umzugehen sei. Ignorieren? Aktiv dagegen kämpfen? Arrangieren? Die Fronten sind verhärtet, Gespräche fast nicht mehr möglich. Fast nicht. Denn es gibt einen Ort in Ostritz, an dem Ideologien keine Rolle spielen: das Freibad. Schon seit Jahren steht sein Bestand aber auf der Kippe. Um den beliebten Treffpunkt der Stadt weiter zu betreiben, haben Georg Salditt und weitere Ehrenamtliche die „Mewa Bad Initiative“ gegründet. Dort trifft sich vom 82-jährigen Rettungsschwimmer bis zur 14-jährigen Schülerin eine ziemlich bunte Mischung. Darin sieht Georg Salditt großes Potenzial: „In Ostritz gibt es immer Menschen, die nicht zur Kirche, zur Stadt, zu den Fußballern oder zur Feuerwehr gehen, weil sie sich dort in Schubladen gesteckt fühlen. Das Freibad aber ist der Raum, in dem die Ostritzer über die Lager hinweg wieder an einem Strang ziehen. Ein Freibad hat nur Freunde.“

Auf diesem neutralen Boden organisiert die Initiative deshalb nicht nur die Schichten für die Badeaufsicht oder die Renovierung der Umkleidekabinen, sondern lädt auch zu Gesprächsrunden, Filmabenden oder Kinderflohmärkten. Und weil die Menschen dadurch wieder mehr miteinander statt nur übereinander reden, plant Georg Salditt, auch Stadtratssitzungen und Gespräche mit Mitgliedern des Land- und Bundestages ins Freibad zu holen. Damit will er nicht nur der Politikverdrossenheit entgegenwirken, sondern hofft, den Zusammenhalt der Ostritzer insgesamt zu stärken.  

 

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sueden kultur Ostdeutschland 2021 Runde5