BayernFörderrunde 6: 2023-2024

Dass wir das machen dürfen!

Schonstett: Eigentlich scheint hier alles perfekt zu sein, in diesem 1400-Seelendorf bei Rosenheim: Es gibt einen Park und einen Badeweiher, die beide das beschauliche Landleben verbildlichen und zahlreiche Initiativen und Vereine, vom Schützen- bis zum Sportverein, die das Dorfidyll zusätzlich bereichern. Aus den Dorfgesprächen, die Florian Wenzel 2017 initiiert hatte, erwuchsen die Nachbarschaftshilfe, eine Gemeindezeitung, das Schonstetter Bladl und eine ein Dorfladen. All das ehrenamtlich auf die Beine gestellt und von verschiedenen Communities – auch von Zugezogenen im Alter von 30 bis 60 Jahren – betrieben. Ach ja, nicht zu vergessen die Dorfschule, den Kindergarten und die freiwillige Feuerwehr sowie die vielen verschiedene Feste, die jedes Jahr von zahlreichen Vereinen veranstaltet werden und das Gemeinwohl bereichern.

 

Moment mal, alles nur für Erwachsene?

Als Erzieherin und vielfältig engagierte Schonstetterin war Jutta Stübl das sofort aufgefallen: Dass sich Erwachsene bei vielfältigen Veranstaltungen im öffentlichen Raum trafen und feierten.

Auch den Jungs bieten sich Möglichkeiten, sich in öffentlichen Bereichen zu treffen – außerhalb vom elterlichen Haus. Die Mädchen hingegen nicht. Beziehungsweise mögen diese nicht inmitten der großen Jungs sein, wo sie sich klein fühlen und schwach. Deswegen möchte Jutta Stübl die Frage aus der Jungbürgerversammlung gerne aufnehmen und die Mädchen, die hier deutlich in der Minderheit sind, befragen: „Was braucht ihr, um euch wohl zu fühlen?“ Die Antwort lautet: Einen Raum, den auch sie mögen und wo sie sich frei entfalten können. Dieser bereits von der katholischen Landjugend gefundene und von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Raum soll nun erstens ansprechend für die Jugendlichen umgestaltet und zweitens mit Aktionen gefüllt werden wie Schminken für Mädels sowie anderen Menschen, die sich als Frau fühlen oder denen es Spaß macht; wünschenswert ist auch ein Repair-Café zum Flicken, mit Nähmaschine und Werkzeug, um alle zusammenzubringen. Derlei Ideen hat Jutta Stübl viele. Eine weitere davon ist, den Badeweiher für Mütter und kleine Kinder attraktiver zu gestalten, vielleicht durch eine ordentliche Kiste Sand? Es klingt fast banal, solche Dinge in Schonstett auf die Beine zu stellen, denn Jutta ist gut vernetzt und kennt hier viele, die gerne mit anpacken. Und das ist auch ihre eigene Erfahrung: „Wenn wer anfängt, machen viele mit!“ Eigentlich zu perfekt, um wahr zu sein? Keineswegs, die Schonstetter*innen sind ja schon aktiv und lassen sich vom demokratischen Miteinander im Dorf beflügeln. „Ich möchte Vorbild sein“, ist sich Jutta Stübl sicher und freut sich, dass sie Transformationsgestalterin sein kann: „Was für ein Privileg – dass wir das machen dürfen!“

Jutta Stübl
Offen für alle – inklusive Begegnungsräume
Kindergartenverein Schonstett e.V.
83137 Schonstett

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